Bericht der NRZ über das Repair-Café am 17.7.2014

Das Repaircafé in der evangelischen Kirche in Bruckhausen ist ein schönes Beispiel für ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe. Der Männerkreis wird vom Erfolg seiner Aktion fast überrollt

„Mechanische Dinge kriegen wir wieder hin“

„Die erste Veranstaltung muss sitzen“, sagte sich der Männerkreis der evangelischen Kirche in Hünxe-Bruckhausen im vorigen September. Damals konnte aber noch keiner ahnen, wie schnell sich das neue Repaircafé „Unsere Arche“ zum Selbstläufer entwickeln würde. Statt der 25 erwarteten Gäste waren 70 Leute dabei. Und aus den sechs Gründern entwickelte sich ein zehnköpfiges Team, das ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe im besten Sinne anbietet.


Die Idee habe er damals aus den Niederlanden mitgebracht, erinnert sich Johannes Pütter. Vor allem Haushalts- und Küchengeräte wie Mixer oder Staubsauger, aber auch defekte CD-Spieler bekommen die Herren an jedem zweiten Donnerstag im Monat auf den Tisch. Bezahlen müssen die „Kunden“ nur die Ersatzteile, die das Team sofort vor Ort per PC recherchiert. Meistens sind diese für zehn Euro zu haben.„Einige setzen sich dazu“, sagt Pütter.

Nach dem ursprünglichen Konzept sollten sich der Besitzer des Geräts und der Reparateur nämlich gemeinsam an die Arbeit machen. Nur: Manchmal dauert es eine Stunde, bis der Fehler gefunden ist. So lange wollen viele nicht warten, auch wenn Kaffee und Kuchen (alles Spenden) die Zeit überbrücken helfen. Oft gehen Kleinteile kaputt„Mechanische Dinge kriegen wir wieder hin“, versichert Pütter. Das Grundproblem: Oft gehen an den Geräten Kleinteile wie Schalter oder Regler kaputt. Der Fachhandel winkt meist ab, weil sich die Reparatur kaum lohnt. Daher gibt es keine Konflikte mit Handel und Handwerk, zumal diese den Service im Ortsteil begrüßen. Also bleibt meist nur Wegwerfen und neu kaufen.

Aber nicht im Repaircafé. Vor allem ältere Leute nutzen das Angebot, verbinden einen Gang über den nahe gelegenen Wochenmarkt mit einem Besuch im Café. Insofern sei der Termin bewusst gewählt, so Pütter, der als Nachrichten-Ingenieur gearbeitet hat und zusätzlich die umfangreiche Internetseite des Cafés pflegt. Sein Eindruck: Die ältere Generation tue sich eher schwer mit dem sorglosen Wegwerfen.„Wir reparieren, was man tragen kann“, nennt er einen weiteren Grundsatz. Den beherzigte vor kurzem eine Kundin, die sogar einen Backofen anschleppte und für den Transport extra die Tür ausbaute, erinnert er sich lachend. Auch der Frau wurde geholfen.

 

Und weil das Aufkommen an defekten Geräten die Kapazitäten der Herren längst übersteigt („es wird zu viel“), schieben sie interne Reparaturtermine ein. „Fitti kann super kochen“, sagt Pütter, also muss bei diesen Arbeits-Treffen auch niemand hungern. Für ihr ehrenamtliches Angebot zu werben, ist ohnehin längst überflüssig. Über 440 Geräte gingen bereits durch die Hände des Teams, über 70 Prozent funktionieren nachher wieder. „Das motiviert“, versichert Pütter. Das nötige Werkzeug, zunächst aus dem eigenen Bestand, haben sie dank der Spenden bereits erweitert. „Man hilft sich gegenseitig, alle sind gleichberechtigt“, ergänzt er. Denn im Männerkreis sind Elektromeister, -techniker und Elektriker ebenso vertreten wie Lehrer, Polizisten, Schreiner oder eine Schneiderin.

 

Mit Berti Neumann, Birgit Knüfken und Erika Wagner verstärken drei Frauen den Kreis der Aktiven.Das gute Beispiel macht längst Schule: Interessierte aus Wesel, Goch, Bocholt und Dinslaken ließen sich das Konzept des Repaircafés bereits erklären. Solche Nachahmer finden alle hier prima.

 

Andreas Rentel